Generationenübergreifendes Transferprojekt aus Heslach

Am Rande des 3. Treffens der Stuttgarter Stadtteilvernetzer in Heslach kam ein bemerkenswertes Projekt zur Sprache, das gerade den generationenübergreifenden Aspekt des Bürgerengagements im Quartier sehr schön unterstreicht. Gudrun Kubillus-Mader von SeniorenNet Stuttgart, einer Interessengemeinschaft, die zu einer der sehr aktiven Initiativengruppen im Generationenhaus Heslach gehört, erzählte über das Heslacher Storycaching:

– ein Projekt, initiiert vom Jugendhaus Heslach, bei dem Jugendliche im gemeinschaftlichen Zusammenwirken mit Aktiven im SeniorenNet Stuttgart ein zukunftsorientiertes Quartierskonzept umsetzen;

– ein Projekt, bei dem sich Jung und Alt einer gemeinsamen Aufgabe widmen und damit eine Idee verwirklichen, die in Zukunft aus unserem Alltagsleben der Bürger nicht mehr wegzudenken ist.

Man kann nur untermauern: zur Nachahmung empfohlen.
Wer mehr über das Projekt wissen möchte, findet hier weitere Informationen. Und wer alles über das Storycaching erfahren möchte, darf sich gerne an Stefan Pförter vom Jugendhaus Heslach – info(at)storycaching.de – wenden.

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Transferprojekt: Heslacher Storycaching

Geocaching ist den meisten von uns inzwischen bekannt: eine GPS-Schnitzeljagd – eine Form der elektronischen Schatzsuche mittels geografischer Koordinaten, die im Internet abgerufen werden.

Storycaching hingegen ist noch relativ neu, doch die Idee dahinter ist dem Geocaching abgeguckt. Dabei werden bspw. Geschichten und die Geschichte eines Stadtteils an bestimmten Stellen im Quartier “digital“ versteckt. Aufgespürte Koordinaten, die ebenfalls im Internet veröffentlicht sind, geben dabei Hinweise auf den Standort, wo die Botschaften mittels Smartphone oder Tablet-PC aufgerufen werden können. Wenn man so will, ist dies eine moderne Stadtführung auf elektronischem Weg über einen Weg, der real begangen wird.

Das Heslacher Storycaching ist ein Projekt, das innerhalb von drei Jahren eine komplette Stadtteilführung via elektronische Medien ermöglichen wird. Mit Förderung durch den Projektmittelfond “Zukunft der Jugend“ wird das Heslacher Storycaching derzeit vom Jugendhaus Heslach zusammen mit dem SeniorenNet Stuttgart entwickelt. Unterstützend sind das Generationenhaus Heslach, die Kindertagesstätte “Wilde Wanne“, die Geschichtswerkstatt Süd und der Bezirksbeirat Süd beteiligt.

Speziell die Zusammenarbeit von Jugendlichen und Senioren gibt dem generationenübergreifenden Projekt einen besonderen Stellenwert: Die Geschichte über Heslach wird so aus der Perspektive von jungen Menschen und älteren Bürgern gleichermaßen interessant und über einen modernen, zukunftsweisenden Informationsweg geschildert.

Bürgerengagement ermöglichen – gute Rahmenbedingungen schaffen

Beim letzten Treffen der Stuttgarter Stadtteilvernetzer in Heslach wurde an einem der Runden Tische die Frage diskutiert, wie gute Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement geschaffen werden können. Tina Syring vom Gebrüder Schmid Zentrum im Generationenhaus Heslach hat die Ergebnisse der Diskussionsgruppe „Steuerung vs. Autonomie – wie können Handlungsspielräume für Freiwillige aussehen?“ für unser Blog zusammengefasst.

Welche Voraussetzungen sind wichtig, damit sich Bürger und Bürgerinnen mit ihrem Engagement aktiv einbinden und beteiligen können?

Konkrete Projekte: Wer sich ehrenamtlich engagieren will, möchte dies für ein konkretes Projekt tun. Außerdem spielt eine große Rolle, wer sonst noch beteiligt ist.

Netzwerke: Das Bedürfnis, Teil eines Netzwerks zu sein, ist ein wichtiger Motor für ehrenamtliches Engagement.

Konkrete Ansprechpartner und klare Strukturen: Eine wichtige Voraussetzung für ehrenamtliches Engagement sind konkrete Ansprechpartner mit hoher Präsenz (d. h., als Ehrenamtlicher weiß ich, wann ich mich an wen mit meinen Anliegen wenden kann) sowie klare Strukturen beim Anbieter des ehrenamtlichen Projekts.

Gewinnung von Ehrenamtlichen: Es ist eine hohe Sensibilität gefordert, interessierten Personen Aufmerksamkeit entgegenzubringen, ohne sie zu bedrängen (>>>Schulungsbedarf für „Akquisiteure“).

Regelmäßiges Infocafé Ehrenamt: Umgesetzt im Degerlocher Frauenkreis – es findet jeden Monat ein fester Termin statt (Verbindlichkeit!). Das Beispiel zeigt, dass es nicht nur für „Neue“ Infomöglichkeiten geben muss, sondern vor allem auch verbindliche Treffen für Engagierte zum Austausch.

Interessierte und Projekte zusammenbringen: „Wie kitzle ich heraus, was Interessierte wirklich wollen?“ – Bedarf und Interessen müssen koordiniert werden.

Finanzielle Unterstützung von Ehrenamtlichen: Ehrenamt wird häufig als Einstieg in neue Tätigkeiten verstanden und als Möglichkeit, etwas „Taschengeld“ dazu zu verdienen. Spannungsfeld! (Ergebnis der Diskussionsrunde „Monetarisierung des Ehrenamts“ am Runden Tisch).

Jüngere und junge Menschen für das Ehrenamt gewinnen: Die Altersgruppe der Ehrenamtlichen muss dringend erweitert werden, um dem Bedarf gerecht zu werden. Wie kann man diese Zielgruppe erreichen? Was ist deren persönlicher Gewinn? Wo sind Orte, wo man sie erreichen kann?

Ehrenamt braucht Beständigkeit: Ob mehr oder weniger Zeit aufgewandt wird – ohne Beständigkeit und Verbindlichkeit ist ehrenamtliche Arbeit nicht möglich.

Außerdem wurden die zwei folgenden Themen angesprochen:

Infrastruktur im Stadtteil am Beispiel Einzelhandel: Um die Lebendigkeit im Stadtteil zu erhalten, ist der Einzelhandel sehr wichtig. Das setzt jedoch voraus, dass die Bürger dort auch regelmäßig umfassend einkaufen (und nicht nur zusätzliche Einzelprodukte).

„Wie bringt die Stadt die Leute über die Berge“: Ohne öffentliche finanzierbare Verkehrsmittel ist Mobilität in einer Stadt wie Stuttgart nicht möglich. Welche Möglichkeiten gibt es, dieses Thema in den Gemeinderat zu tragen?

Treffen der Stadtteilvernetzer in Heslach – viele Teilnehmer und gute Ideen

Viele Interessierte kamen zum dritten Treffen der Stuttgarter Stadtteilvernetzer, das nach Möhringen und Degerloch nun in Heslach stattfand. Wir waren 26 Menschen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen: bürgerschaftlich Engagierte, Mitarbeiter aus sozialen Diensten, Vertreter von Stiftungen, Seniorenräte, ein Mitglied des Heslacher Bezirksbeirats, Vertreter von Begegnungsstätten – die Voraussetzung, von ganz unterschiedlichen Menschen und Projekten zu lernen, war sehr gut gegeben.

Tina Syring stellte das Generationenhaus Heslach vor, in dem wir zu Gast waren, und die Tätigkeit des Gebrüder Schmid Zentrums: Über 60 Gruppen und Vereine nutzen die Räumlichkeiten des Zentrums – über 3.000 Veranstaltungen finden hier jährlich statt. Sie basieren zum größten Teil auf freiwilligem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Einige Ehrenamtliche des Generationenhauses stellten sich vor und erzählten, weshalb sie sich engagieren. Aus den Beiträgen hörte man heraus, dass der Wunsch, Gutes zu tun und neue Menschen kennenzulernen, wichtige Antriebe sind. Es wurde auch deutlich, dass das Engagement gefördert wird durch Freiräume und eine unbürokratische Atmosphäre, die dem Freiwilligen das Gefühl gibt, sich im Haus wirklich mit eigenen Ideen einbringen zu können.

Solch verlässliche „Andock-Stellen“ für das bürgerschaftlichen Engagement – ob dies nun Institutionen sind wie das Generationenhaus Heslach, Gemeindezentren, echte oder virtuelle Netzwerke – braucht es in den Stadtbezirken ganz dringend.

Alexander Gunsilius vom Sozialamt Stuttgart berichtete, dass in einigen Stuttgarter Stadtteilen Projekte gestartet sind, um neue Beziehungen zwischen den Stadteilbewohnern aufzubauen, generationen-, milieu- und nationalitätenübergreifend. In Raitelsberg, in der Neckarvorstadt, auf dem Hasenberg, bald auch in Münster und schon seit einem Jahr in Heslach gibt es solche Projekte. In Heslach bildeten sich unter dem Motto „Heslach im Blick“ vier Arbeitsgruppen, die unterschiedliche Themen bearbeiten (öffentlicher Raum, Wohnen, funktionierende Nachbarschaften, Heslach feiert). Hier arbeiten Bürger, gemeinnützige und städtische Vertreter, die lokale Wirtschaft und die Politik zusammen, um nach Möglichkeiten der Vernetzung zu suchen und konkrete Aktionen zu starten. Wichtig ist die Unterstützung durch die lokalen Mandatsträger – in Heslach begrüßt der Bezirksbeirat die Vernetzungsprojekte, der Bezirksvorsteher leitet selbst eines der Themen.

Für alle Aktivitäten ist die freiwillige Mitarbeit von Bürgerinnen und Bürgern unerlässlich, so dass das Thema „Bürgerengagement ermöglichen“ im Mittelpunkt steht und auch bei den Stadtteilvernetzern an drei Runden Tischen diskutiert wurde. Monetarisierung des Ehrenamts, Steuerung vs. Autonomie, öffentliche Präsenz im Internet – zu diesen Themen wurden Meinungen ausgetauscht. Dass das Thema „Bürgerengagement ermöglichen“ die Stadtteilvernetzer weiter begleiten wird, stand für alle außer Frage.

In der abschließenden Runde wurden Pläne geschmiedet für unser nächstes Treffen, das am 27. Mai ab 17.15 Uhr in Feuerbach im Quartiershaus des „Feuerbacher Balkons“ stattfinden wird, das von der Samariterstiftung betrieben wird. Bleiben Sie informiert und planen Sie schon jetzt einen Besuch bei den Stadtteilvernetzern Ende Mai ein. Wir freuen uns!