Die Stadtteilvernetzer besuchen Feuerbach

Mehr als zwanzig Teilnehmer/innen kamen zum vierten Treffen der Stuttgarter Stadtteilvernetzer in das Service- und Quartiershaus der Samariterstiftung im Quartier „Feuerbacher Balkon“ und Umgebung. Wo früher einmal das Feuerbacher Krankenhaus stand, befindet sich nun ein Neubauviertel mit über 500 Bewohnern. Herr Schlegel, unser Gastgeber informierte gemeinsam mit Freiwilligen und der stellvertretenden Feuerbacher Bezirksvorsteherin, Frau Ramp, über die Vernetzungsstrukturen im Quartier „Feuerbacher Balkon“ und darüber hinaus.

Herr Schlegel ging auf die Rolle des Quartiershauses ein, das inmitten des Neubaugebietes liegt, in direkter Nachbarschaft von Wohnungen der Behindertenhilfe des bhz, einer Kindertagesstätte und einer Tagespflege. Die Samariterstiftung will mit ihren Aktivitäten im Quartiershaus – das selbst ein Ort des generationenübergreifenden Wohnens ist – eine lebendige Nachbarschaft bilden. Diese Zielsetzung stößt bei den Bürgern im Neubaugebiet und in der Umgebung auf Resonanz, so dass Aktivitäten wie das regelmäßige Quartierscafé, die wöchentlichen „Spiel und Spaß“-Runden mit den Bewohner/innen des bhz und das gemeinsame Backen mit der Kindertagesstätte sehr gut angenommen werden. Herr Schlegel betonte, dass die Samariterstiftung nicht mit einem fertigen Programm ins Quartier ging, sondern dass die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner ausschlaggebend dafür sind, welche Projekte letztlich auf die Beine gestellt werden. Frau Wetzer vom bhz stellte das gute Miteinander im Quartier heraus, – die Menschen mit Behinderungen, die hier leben, sind als Nachbarn akzeptiert.

Frau Ramp vom Bezirksamt sagte, dass Feuerbach eine gute Willkommenskultur schaffen will. Sowohl das Quartiershaus als auch das bhz sind wichtige Akteure im Umfeld, deren Vernetzungsaktivitäten vom Bezirksamt unterstützt werden. Herr Schlegel ging auch auf die Vernetzung des Quartiers mit den umliegenden Vierteln bzw. mit anderen Feuerbacher Gebieten ein. Um örtliche Vereine an das Neubaugebiet anzudocken bietet das Quartiershaus Räume für Initiativen aus dem Stadtteil an. Die vhs ist mit einem Bildungsangebot im Quartiershaus schon präsent. Andere Interessierte aus Feuerbach dürfen sich gerne bei Herrn Schlegel melden (Tel. 814 779 102). Vernetzungsstrukturen zwischen Bürgern und zwischen Bürgern und örtlichen Organisationen aufzubauen braucht Zeit. Ein professioneller Vernetzer oder eine Vernetzerin kann hier eine wichtige Rolle spielen. Generell ist es eine große Herausforderung, Migranten und  jene Bürger zu erreichen, die zurückgezogen leben, gerade auch im Alter. Obwohl hier der Bedarf nach Unterstützung und sozialen Kontakten häufig am größten ist.

Die Samariterstiftung hat noch viele Ideen, die sie ins Quartier einbringen kann: ein Tauschring ist ebenso angedacht wie eine Stiftung. Für alle diese Projekte braucht es Freiwillige und Bürger, die Hilfe und Unterstützung auch annehmen. „Die persönliche Ansprache ist das Wichtigste“, resümiert Herr Schlegel, so erreicht man die Bürger im Quartier am Besten.

Die Stadtteilvernetzer danken dem Quartiershaus für die Gastfreundschaft und wünschen weiterhin viel Erfolg bei der Vernetzung vor Ort!

Nach dem Input von Herrn Schlegel und den anderen Feuerbachern kamen wir zum Schwerpunkt-Thema unseres Treffens: „Tauschringe als Form der Nachbarschaftshilfe“, – dazu gibt es einen gesonderten Artikel hier im Blog.

Zum Abschluss unseres Treffens informierte Herr Lange aus Heslach, der im dortigen Generationenhaus aktiv ist, über die neuen „Heslacher Schokoladenseiten“. Zur Erinnerung: das Projekt stammt aus Degerloch (siehe „Degerlochs Schokoladenseiten“) und wurde nun über das Forum der Stadtteilvernetzer nach Heslach gebracht. Herr Lange zeigte die fair-trade-Schokolade mit der hübschen Heslach-Banderole und den Kurzgeschichten von ihm auf der Innenseite. Es sind nun einige Aktionen geplant, um Bürger/innen in die Gestaltung der Schokoladen-Banderole mit Schreib-/Mal- und Fotowettbewerben einzubeziehen. Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Projekttransfer!

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Heslach im Blick … des Wohnens wert … des Lebens wert …

HiBStuttgart-Süd: vor Ort und mittendrin
Das 2. Forum für mehr Wohn- und Lebensqualität
im Quartier am 15. Mai 2014 – ein Rückblick


Auch die 2. Veranstaltung im Rahmen des Quartierprojektes „Heslach im Blick“ am Donnerstag, 15. Mai 2014, zeigte, immer mehr Bürgerinnen und Bürger in unserem Viertel haben ein starkes Interesse an neuen sozialen Wohn- und Lebenskonzepten. Stand in der Auftaktveranstaltung am 17. Juli 2013 der Fokus noch eindeutig auf gemeinschaftsorientierten und selbstorganisierten Wohnformen, wurden dieses Mal auch sozial geprägte nachbarschaftsorientierte Projekte und Initiativen vorgestellt.

Die rege Beteiligung im sehr gut besuchten Rudolf Schmid Saal des Generationenhauses Heslach durch gezielte Fragen während der einzelnen Vorträge wie auch in den jeweiligen intensiven Einzelgesprächen und Gruppendiskussionen im Anschluss an die Veranstaltung unterstreicht, “… des Wohnens wert … des Lebens wert …“ beschäftigt die Heslacher Bewohner – hat inzwischen für die Bürgerinnen und Bürger einen hohen Stellenwert im Quartiersleben.

Eine besondere Note bekam die Veranstaltung durch die musikalische Begleitung von Vladimir Romanov, der den Anwesenden mit seinen Klavierstücken einen schönen kulturellen Genuss schenkte.

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Interessierte, die die Informationsveranstaltung nicht erleben konnten, finden hier ein zusammenfassendes Resümee aller Vorträge. Die darin angegebenen Verlinkungen geben eine vertiefende Information für jeden, der mehr über die einzelnen Projekte und Initiativen erfahren möchte:

M.KunertMichael Kunert
von der Kontaktstelle Baugemeinschaften:
Bürger bauen mit
Baugemeinschaften und gemeinschaftliches Wohnen in Stuttgart

 

S.LangerSandra Langer
vom Amt für Umweltschutz:
SEE – Stadt mit Energieeffizienz
Energie in Zukunft:
Was können wir heute vor Ort dafür tun?

S.GedikSalman Gedik
Lebensmitteleinzelhändler aus Heslach:
Ein Geschäft auf eine andere Weise
Neben Lebensmitteln auch
Nachbarschaftshilfe im Angebot

AltenknüpferSonja Wörtmann und Claus Sendler
von den “Altenknüpfern“:
Gemeinsam statt einsam
Elf Senioren in ihrer selbstorganisierten
Wohn- und Lebensgemeinschaft

B.LangeBernd Lange
über ein “Transferprojekt“ für den Stuttgarter Süden:
Heslach gibt was her
“Heslach im Blick“
zeigt sich von seiner Schokoladenseite

„Bürger bauen mit“

Baugemeinschaften und gemeinschaftliches Wohnen in Stuttgart

Ein Trend, der in den letzten Jahren das Leben der Bevölkerung sehr stark verändert, gewinnt auch in Stuttgart immer mehr an Bedeutung: Michael Kunert von der Kontaktstelle Baugemeinschaften der Landeshauptstadt Stuttgart unterstrich in seinem Vortrag, dass im Rahmen der Stadtentwicklung mit Wohnprojekten, die durch selbstorganisierte Baugemeinschaften individuell entwickelt und umgesetzt werden, eine soziale Stabilisierung, eine höhere Lebendigkeit und ein nachbarschaftliches Miteinander in den Quartieren entsteht.

Das Ziel von Baugemeinschaften, die durch ein gemeinsames Planen und das aktive Verwirklichen ihr persönliches Wohnkonzept entwickeln, ist, selbstbestimmt ihren künftigen Lebensraum mit Gleichgesinnten in nachbarschaftlicher Nähe und Unterstützung zu gestalten.

Baugemeinschaften

Das Netzwerk

Um dies zu erreichen und auch die Voraussetzungen zu ermöglichen, ein solches Wohnprojekt von der ersten Idee bis zur Schlüsselübergabe umzusetzen, sieht sich die Kontaktstelle Baugemeinschaften als Ansprechpartner und auch als Partner, der die Projekte begleitet und die Baugemeinschaften auf unterschiedlichste Weise unterstützt. Wie diese Unterstützung im Einzelnen aussehen kann, hat Michael Kunert in seinem Vortrag “Bürger bauen mit“ eindrucksvoll aufgezeigt.

„>SEE< – Stadt mit Energieeffizienz"

Energie in Zukunft: Was können wir heute vor Ort dafür tun?

Energieeffizienz ist mehr denn je ein Thema, das jede Bürgerin und jeden Bürger brennend beschäftigen wird. Sandra Langer vom Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart machte gleich zu Beginn ihres Vortrages deutlich, wie sich der Energieverbrauch in den unterschiedlichen Bereichen aufteilt. Dabei zeigt sich, dass private Haushalte mit knapp 40% den höchsten Anteil an Energien wie Strom, Gas, Fernwärme und Erdöl verbrauchen.

Amt_für_Umweltschutz

Aufteilung der Energieverbräuche

Grund genug, sowohl Mieter als auch Haus- und Wohnungseigentümer über die Möglichkeiten zu informieren, wie im Einzelnen Energieeinsparungen erreicht werden können. Nur so ist das gemeinsame Ziel, den Energieverbrauch um 20% zu reduzieren, zu erreichen. Und: Gerade in Heslach gibt es bei Wohngebäuden einen hohen Anteil an alter Bausubstanz, die unter energetischen Gesichtspunkten überproportional belastet sind. Hier könnte der Ausbau der Fernwärme eine effiziente Lösung sein.

Mit ihrem Vortrag zeigte Sandra Langer auf, was jeder Einzelne von uns dazu beitragen kann, mit den Energien, die wir verbrauchen, in Zukunft ökonomischer und ökologischer umzugehen: sparsamer und damit kostenbewusster, effizienter und damit umweltbewusster. Und: Zusammengefasst kommt die Energieeffizienz unserer Wohn- und Lebensqualität im Quartier zugute.

Die Bedeutung des Themas wird auch dadurch untermauert, dass das Generationenhaus Heslach mit verschiedenen Veranstaltungsschwerpunkten den Monat Mai zum „Energiesparmonat“ gemacht hat.

Im Zusammenhang dazu gibt es im Rahmen des Forschungsprojektes “SEE – Stadt mit Energieeffizienz“ eine kostenlose Energieberatung, die alle Mieter und Wohnungseigentümer Stuttgarts in Anspruch nehmen können – und auch sollten.

„Ein Geschäft auf eine andere Weise“

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Der Heslacher Lebensmitteleinzelhändler
Salman Gedik
hat Nachbarschaftshilfe in seinem Angebot


Von außen ist das kleine Lebensmittelgeschäft Gedik in der Taubenstraße wie viele andere auch: Vor dem Laden präsentiert sich ein buntes Angebot von Obst und Gemüse und lädt zum Kaufen ein. Doch im Inneren spürt der Kunde sofort, es ist etwas anderes, was ihn erwartet: Ein Händler, der zuhört, der mit seinen Kunden spricht, der hilft, der sein Geschäft nicht nur als Verkaufen sieht…

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Salman Gedik erzählte den Besuchern der Veranstaltung, wie er sein “Geschäft“ versteht. Und das seit nunmehr 19 Jahren. Seine Kunden, die auf unter unterschiedlichste Weise vorübergehend oder auch für immer in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, werden von ihm und seinen Mitarbeitern versorgt: Ein Anruf genügt, die Lebensmittel werden ins Haus bzw. in die Wohnung gebracht. Nicht nur das, auch Päckchen, Pakete und sonstige Lieferungen nimmt er entgegen und trägt sie weiter in die Wohnung. Und auch Besorgungen von Dingen, die er selbst nicht in seinem Angebot hat, führt er genau so durch, wie er den Kasten Mineralwasser schleppt oder Medikamente aus der Apotheke besorgt. Und das alles, ohne auch nur einen Cent mehr für seine Dienstleistungen zu verlangen.

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Nachbarschaftshilfe, die für Salman Gedik selbstverständlich ist. Und die eindrucksvoll zeigt, wie gemeinschaftliches Leben im Quartier auch aussehen kann. Sich um seine unmittelbare Nachbarschaft kümmern, auf die Bedürfnisse und Sorgen seiner Mitmenschen eingehen… für einen Lebensmittelhändler eine bemerkens- und nachahmenswerte Bereicherung im sonst üblichen Angebot seines Geschäfts. Es passt zu Heslach.

„Gemeinsam statt einsam“

Alle reden vom Netzwerken – die “Altenknüpfer“ haben eines geknüpft

Ein Blick über Heslach hinaus, doch ein Beispiel, das auch Heslach gut zu Gesicht stehen kann: Im Scharnhauser Park in Ostfildern haben elf Menschen – fünf Ehepaare und eine alleinlebende Bewohnerin – ihr Wohn- und Lebenskonzept verwirklicht. Die “Altenknüpfer“ leben seit mehr als 10 Jahren in ihrem selbstorganisierten Wohn- und Nachbarschaftsprojekt gemeinschaftlich und dennoch jeweils in ihren eigenen vier Wänden zusammen.

AltenknüpferSonja Wörtmann und Claus Sendler vermittelten den Besuchern ein lebendiges Bild über ihre Form der Wohngemeinschaft – ein Netzwerk von Senioren, für die sich das nachbarschaftliche Miteinander zum Lebensinhalt entwickelt hat. Es ist zum wesentlichen Bestandteil für ihre Lebensqualität geworden, die inzwischen auch auf die weiteren Bewohner von 20 Wohnungen in den beiden “Stadtvillen“, wie sie die Altenknüpfer nennen, übergreift. Die Hälfte davon hat Migrationshintergrund – es ist zu einem belebenden Multikulti-Wohnnetzwerk geworden.

Die beiden Altenknüpfer unterstrichen in ihrer Vorstellung, wie wichtig es ist, in der Entstehungsphase eines solchen Wohnprojektes Menschen zu finden, bei denen die “Chemie stimmt“ und die bereit sind, einen geplanten gemeinsamen Weg des Wohnens verantwortlich mitzugehen. Sehr anschaulich berichteten sie, wie ihr heutiges Leben in ihrem Nachbarschaftsnetzwerk aussieht, was sie an Aktivitäten unternehmen oder auch nicht tun, wie sie sich gegenseitig unterstützen – kurz, wie ihr Miteinander des “Gemeinsam statt einsam“ aussieht.

Am Ende brachte es Claus Sendler, lange Zeit Süd-Bürger aus Kaltental, auf den Punkt: Mit ihrem Leitsatz “Jeder sollte das Maß an Nähe und Distanz respektieren, das der andere braucht“, haben elf Senioren ihre Wohn- und Lebensform verwirklicht.

„Heslach gibt was her“

“Heslach im Blick“ zeigt sich von seiner Schokoladenseite

Eine Schokolade für Heslacher Bürgerinnen und Bürger… für unser Quartier ist dies neu. Doch nicht in anderen Stadtteilen Stuttgarts. So kam die Idee dazu aus Degerloch, wo Degerlochs Schokoladenseiten seit Jahren ein Renner sind.

Bernd Lange präsentierte nun die Heslacher Version. Er machte gleich am Anfang deutlich, dass die Idee “geklaut“ ist – doch warum das Rad neu erfinden, wenn es bereits erfolgreich rollt?! Warum gibt es jetzt diese Schokolade? Es sind zunächst zwei unterschiedliche Tafeln: eine von “Heslach im Blick“ und eine weitere vom Gebrüder Schmid Zentrum im Generationenhaus Heslach.

Die Schokolade ist ein Fair-Trade-Bio-Produkt, die von einer Genossenschaft von Kleinbauern in Ecuador hergestellt wird. Die Gewinne gehen 100%ig an die zugehörigen Kleinbauern – rund 850 Kichwa-Familien –, um eine nachhaltige Entwicklung im Sinne von Bildung und Gesundheitsfürsorge zu fördern und ihre Lebensexistenz zu sichern.

Da Stuttgart-Süd die Zertifizierung zum Fair-Trade-Stadtbezirk beantragt hat, gibt diese Auszeichnung der Schokolade einen besonderen Wert. Hinter dem Konzept der Heslacher Schokolade steht eine weitere Idee: Die Bürgerinnen und Bürger im Stuttgarter Süden sollen aktiv eingebunden werden. In unserem Quartier zu leben, heißt auch, unser Quartier zu gestalten. Die jetzigen Banderolen zeigen, wie das künftig aussehen kann.

Für weitere Schokoladentafeln werden die Bewohner motiviert, ihren Beitrag zu leisten. Mit Foto-, Schreib-, Mal- und anderen Wettbewerben werden sie ermuntert, ihre schönsten Bilder oder Geschichten aus oder über Heslach einzureichen. Und die allerschönsten davon werden prämiert und dann die weiteren Schokoladen verzieren.

Schokolade für den Stuttgarter Süden – von den Bürgerinnen und Bürgern im Stuttgarter Süden gestaltet. Es ist doch ein verlockendes Angebot, das sicherlich Appetit auf mehr macht.